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Chur zur Zeit der Inquisition
Silvana Casura, eine junge Frau aus Chur, wird jäh aus ihrem geordneten Alltag gerissen. Mehr und mehr verwebt sich ihr Leben mit dem der kleinen Katharina und deren Vater, des Scharfrichters zu Chur, genannt «Der Adler». Gegenwart und Vergangenheit mischen sich im Hitzesommer des Jahres 2003 mit dem Unfassbaren aus dem Jahre 1540. Schon bald verliert Silvana die Kontrolle über ihr eigenes Leben und die sicher geglaubte Gegenwart. Unterdessen mahlen die unerbittlichen Mühlen der Inquisition und hinterlassen im späten Mittelalter Angst, Verbitterung und Tod.
Dieser Roman ist ein spannendes Vexierspiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Licht und Dunkel.
Leseprobe Donnerstag, erster Maitag im Jahre des Herrn 1538.
Ein prachtvoller Maitag, der eines Sommertages würdig gewesen wäre. Der lila Flieder blühte besonders prächtig, da der vergangene April viel zu warm und regenreich gewesen war und so zog der Duft, vom weichen, warmen Frühlingshauch getragen, unsichtbaren Schwaden gleich durchs Tal und erfreute die Menschen. Die Birken standen im jungen, zarten Laub und streckten ihre weissen, schlanken Äste hoch in den blauen Himmel empor. (...) Und so, wie der Frühling die Blüten hinaus ins Leben trieb, so geschah es auch mit den Menschenkindern ... In der Scharfrichtergasse zu Chur lag in jener Zeit Klea Merschinner seit Stunden in ihren Wehen und bekam deshalb in ihrer Kammer nichts von diesem aussergewöhnlich warmen Maitag mit. Ihre Magd legte ihr kalte Umschläge auf das heissrote Gesicht, welches bei jedem Pressen erneut anschwoll, so dass die Adern am Halse zu kleinen Schläuchen anschwollen und die Augen hinter den fest zugepressten Lidern verschwanden. (...) «Werter Herr, wir sollten nach dem Bader rufen, ich weiss nicht mehr weiter, der Kopf des Kindes bewegt sich nicht von der Stelle. Frau Klea ist trotz ihrer sonst so robusten Gesundheit und Stärke am Ende ihrer Kräfte, vielleicht könnte doch der Bader helfen?» und sie zog dabei unmerklich den Kopf zwischen die Schultern ein als würde sie die Antwort bereits kennen.
Philipp Gurt arbeitet als IT-Architekt in einem global tätigen Unternehmen. Geboren in Chur, lebt er heute mit seiner Familie in Haldenstein. Seinen ersten Roman, «Der Schnitter», hat er 2005 veröffentlicht.
Am Donnerstag, 26. August 2010 ist der Autor zu Gast bei «Aeschbacher» (SF 1, 22:20 Uhr)!
Weiterführende Links und Downloads:
www.philipp-gurt.ch
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