Südostschweiz Buchverlag
 
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Frau mit Durchblick
Rosita Dietrich

Frau mit Durchblick

Respektlose Rosenko(h)lumnen
Sachgebiet: Literatur
Umfang: 112 Seiten, broschiert
ISBN-Nr.: 978-3-905688-60-3
Preis: CHF 24.00 / EUR 15.40 (D)
Erschienen: März 2010
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Zum Buch:

Das Leben einer jungen Hausfrau und Mutter besteht glücklicherweise nicht mehr nur aus Kochen, Putzen und Waschen. Nein, die Hausfrau von heute macht sich Gedanken über die Finanzkrise, Alternativmedizin und Fussball. Mit spitzer Feder glossiert Rosita Dietrich ihren und unseren Alltag: Von A wie Adventsbräuche bis Z wie Zürcher Dialekt, vom Schönheitswahn bis zum «Kantönligeischt». Ein Buch voll kurzweiliger Unterhaltung, zum Selberlesen und zum Verschenken.


Rosita Dietrich ist Hausfrau, Mutter einer Tochter und lebt in Felsberg. Ihre Kolumnen erschienen in loser Folge in der Bündner-, der Engadiner- und der Glarner-Woche.


Leseprobe

Sursilvianien
Beim Einkaufen jenseits der rätischen Grenzen passiert mir manchmal Bemerkenswertes. Neulich legte ich im «Unterland» an der Kasse meine Sachen aufs Band, alles durch und durch grün. (Nein, nicht Biogrün, sondern Budgetgrün!) Als meine Tochter unbedingt helfen wollte, gab ich ihr ein paar Anweisungen in meiner romanischen Muttersprache, was die Kassiererin wohlwollend beobachtete. Zu meiner Verblüffung wandte sich diese sofort auf Hochdeutsch zu mir, und zwar betont langsam und sehr deutlich artikuliert. Vermutlich nahm sie an, ich sei als «Ausländerin» des Schweizer Dialekts sicher nicht mächtig – schliesslich sprach ich ja eine für sie völlig exotische Sprache! Oder hatte ich etwa von der Sonne einen zu dunklen Teint erwischt? Egal, ich war schon versucht, sie leicht pikiert darauf hinzuweisen, dass sie mit mir ruhig Dialekt reden könne. (Typisch Zürcher, wissen nicht, wie Romanisch klingt und halten einen dann gleich für eine Ausserirdische.) Ich liess aber eine spitze Bemerkung sein, machte das Spiel mit und wünschte ihr ebenfalls auf Hochdeutsch ein schönes Wochenende. Das Ganze erinnerte mich irgendwie unangenehm an meine Jahre in der Westschweiz, wo man schon mal höflich gefragt wird, wann man in die Schweiz eingewandert sei, wenn man erwähnt, dass man romanischsprachig ist. Wurde auch noch nachgefragt, wie denn das Land hiesse, aus dem ich stammte, gab ich schon mal völlig entnervt «Sursilvanien» zur Antwort.
Aber zurück zur Zürcher Verkäuferin, beiläufig entdeckte ich ein kleines Detail: Auf ihrem Namensschild stand ein skandinavisch klingender Name. Ups! Betreten schüttelte ich das Fettnäpfchen an meinem Fuss ab, in das ich da getreten war. Nicht sie hatte meine Herkunft falsch eingeschätzt, sondern ich ihre! Sie hatte nichts anderes getan, als im Bereich ihrer sprachlichen Möglichkeiten mit mir freundlich Konversation zu führen. Was hatte ich denn erwartet, dass eine Schwedin breiten Schweizer Dialekt redet? (Sofern man Züridütsch als solchen anerkennen will.) Und wieder mal zeigte sich, Vorurteile sind ungut. Plötzlich stellt sich nämlich heraus, dass eine fremdländisch anmutende Person die gleiche Sprache spricht, wenn auch manchmal vielleicht nur die des Herzens. Deshalb trage ich nächstes Mal stolz ein T-Shirt mit der Aufschrift «Viva la Sursilvania» und werde mich notfalls auch mit Hand und Fuss verständigen.

 
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