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Zum Buch:
«Ausgerechnet Bad Pyrmont. Ausgerechnet dieser beschauliche, leicht angestaubte norddeutsche Kurort ist die Geburtsstätte einer zehnjährigen Erfolgsgeschichte. Ein Dutzend Reisejournalisten und ein paar Vertreter der Tourismus-PR hatten sich getroffen, um Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen Reisejournalisten und Öffentlichkeitsarbeitern zu diskutieren, ehe sich abends, bei einem Gläschen schottischen Malt-Whisky, die Wege von Dozent und Reisjournalist Peter Linden und dem Verfasser dieses Vorworts ein erstes Mal kreuzten. Ein folgenreiches Treffen, wie sich zeigen sollte. Man sprach über den deutschsprachigen Reisejournalismus, dessen Image mit jenem von Bad Pyrmont vergleichbar war, und das eine Auffrischung gut gebrauchen konnte. Man sprach über den Kampf klassischer Tourismusregionen wie Graubünden um Aufmerksamkeit und Platz im Reiseteil der Printmedien. Und noch am selben Abend war das Konzept für einen völlig neuenA nsatz in der touristischen Medienarbeit geboren, dessen bisherigen Höhepunktdas vorliegende Buch darstellt.
Im Juni 1998 trafen sich die Pioniere zum ersten «Graubünden Nachwuchspreis für Reisejournalisten», Deutsche, Österreicher und Schweizer, allesamt unter 32-jährig – und schon im Dezember darauf waren die ersten Preisträger gekürt.Am Erfolgsrezept hat sich seither nichts verändert: Jahr für Jahr kommen 20 begabte Nachwuchsjournalisten nach Graubünden, vertiefen in einem Seminar ihre Kenntnisse über den Reisejournalismus und recherchieren dann zu einem frei gewählten Thema. Die publizierten Reportagen werden von einer Fachjury bewertet,die Sieger erhalten Geldpreise und, viel wichtiger, die Chance, renommierte Reiseredakteure auf sich aufmerksam zu machen. Eine ganze Reihe von ehemaligen Teilnehmern hat so den Sprung in die Redaktion einer namhaften deutsch-sprachigen Publikation geschafft.
Ein Jury-Mitglied der ersten Stunde, die Schweizer Autorin Margrit Sprecher,brachte den Wert dieses Journalisten-Preises einmal folgendermassen auf den Punkt: «Hier finden junge Kolleginnen und Kollegen jene Bedingungen, die der anspruchsvolle Reisejournalismus braucht: Information, Zeit, Geld und die Freiheit zu schreiben, was man gesehen hat.»
Der Nutzen des Graubünden Nachwuchspreises beschränkt sich allerdings nicht auf journalistische Freiheit. Es profitieren alle Beteiligten. Die Teilnehmer, weil sie in kurzer Zeit ihr journalistisches Wissen mehren und sogleich anwenden können. Die Redaktionen, weil sie ohne grossen Aufwand qualitativ hochwertige Reisereportagen abdrucken können. Und wir, die Gastgeber, weil unseren touristischen Schätzen in renommierten Print- und Online-Medien plötzlich wesentlichmehr Platz eingeräumt wird.
In den vergangenen zehn Jahren sind so 172 Reportagen über die Ferienregion Graubünden erschienen. Texte über die landschaftliche, kulturelle und touristische Vielfalt Graubündens. Manche beschreiben die schiere Schönheit und Authentizität von Land und Leuten, andere zeigen Kontraste und Brüche und kratzen kritisch an der Fassade. Doch kein einziger pflegt nur das Klischee oder fällt oberflächlich und ungerecht über einen Ferienort her. Dieses Buch umfasst 16 der schönsten, spannendsten, ungewöhnlichsten Reportagen, die in dieser Zeit entstanden sind. Allesamt Texte von Preisträgern, allesamt Texte, durch deren Lektüre auch der Leser gewinnen wird: an Erkenntnissen, Einblicken, Eindrücken. Es ist ein Reiseführer der ungewöhnlichen Art, einer der vertieft, statt auszubreiten. Wer eine Aufzählung von Sehenswürdigkeiten sucht,wird an anderer Stelle sicher mehr Glück haben. Wer aber den zweiten oder dritten Blick sucht, in der Nachbereitung einer Reise durch Graubünden oder in Vorfreude auf eine weitere, der hält mit diesem Buch eine kleine Schatztruhe inden Händen.
Unsere Autoren waren auf dem Rad und auf Skiern unterwegs, mit der Rhätischen Bahn und dem Postauto. Sie haben in der Geschichte von kleinen Hotels und grossen Kurorten gestöbert, den Mythos Heidi ausgeforscht, die Lieblingsorte von gekrönten Häuptern und Weltverbesserern aufgesucht. Sie haben Gipfelstürmer begleitet und andere Rekordjäger der besonderen Art. Sie haben als Zimmermädchen geschuftet und auf Almen beim Melken geholfen. Sie haben sich in die Murmeltierforschung eingearbeitet, berühmten Dichtern und Bildhauern nachgespürt, und sie berichten vom Bemühen grosser Idealisten, die Ursprache der Bündner, das Rätoromanische, in die Moderne zu retten.»
Aus dem Vorwort von Peter Linden und Gieri Spescha
Inhaltsverzeichnis:
Arosa: «Mäusealarm im Heidiland», Verena Mayer Arosa: «Der ungeliebte Herr Mann», Max Scharnigg Avers: «Im Reich der pfeifenden Schlafmützen», Markus Wolff Bergell: «Der entschwundene Alberto», Andreas Schneitter Brigels: «Heidi, Maid aus Germany», Ralf Eibl ENGADIN/Scuol:«Das Rufen der Berge», Johannes Strempel Feldis:«Das Dorf der sprechenden Häuser», Benjamin Wuttke Klosters: «Schweigen hinter Klosters’ Mauern», Constanze Kindel Laax: «Die den Schnee reiten», Andreas Lesti Maienfeld: «Auf dass alles immer so bleibe», Dirk von Gehlen Maloja:«Das letzte Zucken eines Mythos», Anja Ingenrieth Splügen: «Im Bauch der Berge», Florian Blaschke St.Moritz:«Die Tage der Pioniere», Gitta Beimfohr St.Moritz:«Das Hotel der Schnapsideen», Sebastian Stricker St.Moritz:«Die Unsichtbaren», Britta Stuff Val Müstair: «Zwischen London und Konstantinopel», Stephan Klemm
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